Folge 034: Interview mit dem ehemaligen Skispringer Sven Hannawald

Der Weg zurück ins Leben-Podcast – von und mit Christina Bolte.

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Skispringer Sven Hannawald

Mein heutiger Interview-Partner ist der ehemalige Skispringer Sven Hannawald aus München. Er berichtet uns heute von seinem eigenen Burnout, wie es dazu kam und vor allem, wie er den Weg in seinen heutigen Alltag geschafft hat.

Seine Sportler-Karriere begann zunächst im Erzgebirge, allerdings zogen seine Eltern nach der Wende mit ihm in den Schwarzwald, wo er eine – wie er es nennt – „Findungsphase“ hatte, in der er auch seinem Leben außerhalb des Sports einen Raum einräumte.

Trotz mehreren Aufs und Abs fand seine Karriere im Profisport ihren Gipfel im Jahr 2001/02, als er in einer Saison alle Stationen der 4-SchanzenTournee gewann – was vor ihm (und auch nach ihm) noch niemandem gelungen war.

Wie er über „grüne Lichter“ denkt und was seine „Niedrig-Gewicht-Strategie“ mit Regeneration zu tun hat, erfährst Du im Interview, in dem er von seinem „Weg“ heute berichtet:



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Deine schönste Erfahrung während Deiner Auszeit:
Mein Burnout hatt mich für mein restliches Leben geprägt. Für meinen Körper ist es ziemlich schwierig, mit meinen hohen Ansprüchen zurecht zu kommen.
Aber ich habe gelernt, dass alles in meiner Entscheidung liegt und dass alles seinen Preis hat. Ich kenne die eine, positive Seite, ich kenne die andere, negative Seite – und jetzt liegt es an mir, wie ich damit umgehe. Da bin ich froh, dass ich nun auch Konsequenzen oder Grenzen meiner Entscheidung kenne.
Das ist die Erfahrung, das ist was ganz Anderes, als wenn ich ein Buch drüber gelesen hätte.

Deine schwierigste Erfahrung während Deiner Auszeit:
Am schwierigsten war für mich, in der Klinik mit der Ruhe zurecht zu kommen. Ich habe zwar gemerkt, dass die Ruhe mir gut tut, aber sobald es mir nach der Klinik wieder besser ging, wollte ich eigentlich wieder mit dem Skispringen weitermachen. Aber mein Gefühl hat mir signalisiert: „Die Zeit ist vorbei“, so war es schwierig, meinem Kopf dieses Gefühl zu vermitteln, denn der war halt noch nicht so weit und wollte so weiter machen wie bisher.
Außerdem war es schwierig für mich, nicht zu wissen, was aus mir nun wird, was jetzt kommt und dass die Zukunft total offen ist. Damit hatte ich mich noch nie beschäftigt.

Deine größte Angst für die Zeit nach der Rückkehr:
Meine größte Angst war, dass diese Unruhe wieder zurückkommt und dieses Gefühl, die Ruhe nicht genießen zu können. Aber vielleicht war der Körper da auch übersensibel …

Deine größte Hoffnung für die Zeit nach der Rückkehr:
Meine Hoffnung war, wieder ganz der Alte zu werden, unabhängig von Sport oder nicht Sport. Aber einfach, dass ich die Tage wieder genießen kann und nicht schon aufstehe mit einem komischen Gefühl.
Mittlerweile kann ich auch mal die Ruhe genießen, egal wie turbulent es drumherum ist. Das Thema Unruhe ist für mich zum Indikator geworden. Und so versuche ich nicht, fünf Schritte auf einmal zu gehen sondern einen Schritt nach dem nächsten.

Was hast Du – abgesehen vom Ausstieg aus dem Leistungssport – an Deiner Lebensgestaltung oder Deinem Alltag zu:
Ich hab jetzt ein „normales Leben“ außerhalb der Öffentlichkeit. Ich bin auf dem Weg, „normale Wege“ zu gehen – das Leben nach dem Sport.
So bin ich gerade in einer Situation wie ein 15-16-Jähriger, wo ich was Neues, einen anderen Beruf lernen muss. Aber das geht nicht von heute auf morgen, sondern gewisse Dinge entwickeln sich auch, und da braucht man Vertrauen.

Was hat Dir am meisten geholfen, Deinen Weg in Dein neues Leben zu gehen:
Das wichtigste war für mich das Umfeld, die Familie, die mir Rückhalt gegeben haben und an die ich mich mit Fragen wenden kann und Antworten finde.
Das gibt mir Vertrauen und Sicherheit, die natürlich gerade in unruhigen Zeiten wichtig ist.

Blitzlicht-Runde:

Die Essenz Deiner Auszeit in einem Satz:
Menschen, die einen Burnout hatten, sind keinen schlechteren Menschen, sondern eher Diamanten, weil das die sind, die sich zu 100 % in eine Aufgabe reinsteigern. Deshalb sollten insbesondere Führungskräfte diese schützen und auch anerkennen, dass diese ihre Sache gut machen!

Der Schritt, der Dich über Deinen Wendepunkt hinaus gebracht hatte:
Der Schritt zum Arzt, dass ich mir Hilfe im Außen suchen konnte und mich jemandem anvertrauen konnte.

Deine beste Buchempfehlung:
Ich lese allgemein wenig Bücher, sondern spreche lieber mit den Menschen oder gehe lieber raus.
Ansonsten habe ich 2013 ein eigenes Buch geschrieben, weil ich bin immer wieder auf Menschen gestoßen, die nachgefragt haben und wissen wollten, wie ich das geschafft habe, da wieder heraus zu kommen aus dem Burnout.
Es heißt: Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben. Wir sind dazu alle meiner Stationen abgefahren, so konnte Ulli [Anmerkung: Co-Autor] die Gefühle dort überall gut einfangen.

Meine Lebensweisheit:
Wenn man merkt, dass etwas nicht stimmt mit dem Körper, insbesondere wenn die länger anhalten, sollte man sich damit beschäftigen, weil das kleine Schreie sind, dass was nicht läuft. Jeder Mensch ist anders, und so sollte man einfach mehr auf sich hören.

Deine Kontaktadresse bzw. Webseite:
www.sven-hannawald.com – dort findest Du alle Informationen über die derzeitigen Aktivitäten sowie die neugegründete Unternehmensberatung von Sven Hannawald.

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