Folge 049: Interview mit Detlef Gumze – über Burnout und die Wellen des Lebens

Der Weg zurück ins Leben-Podcast – von und mit Christina Bolte – und ihrem Interview-Gast Detlef Gumze.

Detlef Gumze

Mein heutiger Interview-Gast ist Detlef Gumze, Trainer und Begleiter für Krisenbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung aus Tutzing bei München.

Als Führungskräfte-Coach führte er ein „Leben auf der Überholspur“, er war erfolgreich, er begleitete Menschen in Burnout-Situationen – er kannte sich aus. Dachte er.
Bis es ihn selbst erwischte – und er nicht nur in die Insolvenz, sondern auch in die totale körperliche und emotionale Erschöpfung und mehr oder weniger totale Handlungsunfähigkeit (ver)fiel.

Für jemanden, der wie Detlef gewohnt war, „zu machen“ eine völlig neue Sitation. Dadurch lernte er, Hilfe von außen anzunehmen – aber vor allem, dass man am Ende nicht zurück kann ins alte Leben.

„Veränderung gehört zum Prozess“, sagt er heute – auch wenn das vielen Betroffenen schwer fällt zu akzeptieren.
Das Schwierigste sei letztendlich gnädig zu sein zu sich selbst, sagt er, dass man nicht mehr so leistungsfähig ist wie zuvor.
Das sei eine Herausforderung, gerade für Menschen, die Perfektionisten sind wie er.

Heute ist er dankbar für die eigene Burnout-Erfahrung, die ihm geholfen hat, sich selbst neu zu erfinden und mehr er selbst zu sein.

Über seinen Prozess hat er gerade ein Buch geschrieben. Es ist zwar noch nicht auf dem Markt, aber in diesem Interview gibt er vorab eine erste Lesung über „Die Wellen des Lebens„.



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Deine Lernerfahrung während Deiner Auszeit:
Ich habe gelernt, die Zeichen zu erkennen – und vor allem habe ich meine Sicht auf den Burnout verändert. Es geht nicht nur um die Erschöpfung, sondern den geistigen Müll aufzuräumen und vor allem die Frage nach dem eigenen Sinn. Dazu gehört auch die Erfahrung, dass man nach einem Burnout nicht zurück kann in sein altes Leben.

Deine größten Ängste während Deiner Auszeit:
Die Erfahrung, die mich schwer getroffen hatte, war der Verlust meines Selbstwertgefühls. Damit meine ich nicht das Ego, sondern das Gefühl selbst etwas wert zu sein. Und wenn Du als Selbständiger nicht an Dich glaubst, kannst Du Dich natürlich auch an Deine Kunden nicht verkaufen. Das ist für mich zu einer echten Frage geworden: Welchen Wert kann ich meinen Kunden bieten?
Außerdem war da natürlich noch die Frage: Wovon soll ich Leben? Also eine sehr existenzielle Frage.
Und die dritte Frage war natürlich: Was ist der Sinn, dass ich noch da bin? Darauf hab ich Gottseidank eine Antwort gefunden, aber es war eine große Angst.

Deine größte Hoffnung für die Zeit nach dem Burnout:
Zunächst mal ein besseres, ein passenderes Leben zu führen. Dadurch, dass ich sehr viel verloren habe, auch materielle Dinge, dass es für mich entspannter ist. Ich habe gemerkt, dass es Dinge gibt, die mir früher wichtig waren und dass eine „passende Größe“ fürs Leben gibt, auch einkommensmäßig – und das nun eine andere Größe ist, als das was es vorher war. Dadurch dass wir uns klar gemacht haben, was uns wirklich wichtig ist, passt es jetzt gut. Außerdem hab ich 30 Kilo abgenommen.
Eine weitere Hoffnung war, dass ich zufrieden bin – und nicht mehr dem ständigen Glücksversprechen hinterher zu jagen: „Wenn Du das und das hast, dann bist Du glücklich“.

Was hst Du an Deiner Lebensgestaltung oder Deinem Alltag verändert:
Im Grunde habe ich alles geändert, also vor allem mein Mindset – also das was für mich wichtig und wesentlich im Leben ist und wie ich damit umgehe. Ich hab nach wie vor Coaching-Klienten, aber andere Klienten. Mein Angebot ist anders geworden, mein Focus ist anders geworden, das was ich für andere leisten kann, ist anders geworden. Das, was ich im Leben haben will, ist anders geworden.
Ich habe das Schreiben angefangen, wir haben den Keller entrümpelt und den Dachboden ausgeräumt. Mein Leben ist kleiner, überschaubarer geworden – auch im außen.

Die Meilensteine auf dem Weg in Dein neues Leben:
Darüber liest er aus dem Kapitel „Die Wellen des Lebens“ aus seinem Buch, welches im Laufe des Jahres 2017 auf den Markt kommt.

Blitzlicht-Runde:

Die Essenz Deiner Auszeit in einem Satz:
Mein Burnout war eine Transformation und Selbstreinigungsprozess. Wenn ich es so betrachte, ist es so auch das beste, was mir passiert ist.
Alles – was, was nicht zu mir gehört ist verbrannt und hat mir die Möglichkeit gegeben, mich selbst neu zu erfinden.
>Und das empfinde ich auch als das größte Geschenk in so einer Situation.

Der Schritt, der Dich über Deinen Wendepunkt hinaus gebracht hatte:

Die bedingungslose Liebe und Fragen meiner Frau sowie auch meiner Freunde, meines Beziehungsnetzwerkes, die mir Mut gemacht haben, weiterzumachen, als ich in selbst nicht hatte. Und auf meiner Seite erforderte es auch etwas, nämlich die Bereitschaft und gleichzeitig auch die Demut, mich auf diesen Prozess einzulassen.
MUT von außen und MUT von innen, sozusagen.

Deine besten Buchempfehlungen:

Meine Lebensweisheit:
Burnout kann absolut jeden treffen, und ist aus meiner Sicht ein Selbstreinigungsprozess.
Gleichzeitig sehe ich aber auch die Vielzahl an gegenwärtigen Burnout Erkrankungen als Ausdruck der gesellschaftlicher Situation und Anlass zu einer gesellschaftlichen Veränderung. So wirkt die Digitalisierung als weiteren Beschleunigungsfaktor für Burnout.

Deine Kontaktadresse bzw. Webseite:
Unter www.detlef-gumze.de und www.gumze-leadership.de findest Du Kontaktdaten und weitere Informationen über Detlef.

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