Rezension des Filmes “Nur die Füße tun mir leid” von Gabi Röhrl

Auf dem Nürnberger Pilgerforum “Auf geht’s” am 19. Oktober 2019 erfuhr ich von dem Kino-Film über den französischen Jakobsweg “Nur die Füße tun mir leid” von Gabi Röhrl, der am 7. November 2019 erstmals in den Kinos erschienen ist und derzeit nur in ausgewählten Veranstaltungen gezeigt wird (ab dem 28.11.19 wird der Film bundesweit in den Kinos zu sehen sein). Offiziell nennt sich das ganze Dokumentarfilm.

Die Reise von Gabi Röhrl beginnt wie für viele andere Pilger auch am Fuße der Pyrenäen, in dem kleinen südfranzösischen Städtchen St. Jean Pied de Port. Sie selbst ist nur sehr selten im Bild zu sehen, aber ihr Stimme begleitet die Zuschauer aus dem Off, sei es in Form von Hintergrund-Informationen zur Strecke oder zu Städten, Kirchen oder religiösen Festen oder zu einzelnen Personen, die im Film gezeigt werden, seien es Wegbegleiter oder Menschen “am Wegesrand”, deren Leben sehr stark mit dem Jakobsweg verwoben ist.

Gabi Röhrl zeigt ein authentisches Bild vom Weg: Von der Landschaft, von vielen der Kirchen, von den Begegnungen, aber auch von kleinen und großen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Highlights unterwegs: Klöster, Kathedralen, Brunnen, Pilgermenüs und die bekannte Pulpería in Melide mit dem eigenen Wikipedia-Artikel :-); Mohnblumen und Fingerhüte setzen farbenfrohe Akzente.

Der Film zeigt Szenen, wie zum Beispiel am Cruz de Ferro, an die wohl jeder Pilger anknüpfen kann. Hier fühlte ich mich an meine eigenen Steine erinnert, die ich dort 2007 auf meinem Weg abgelegt hatte – und erstmals kam mir beim Ansehen des Films ins Bewusstsein, dass ich die beiden damit verbundenen Umstände bereits seit Jahren nicht mehr in meinem Leben habe. Genauso erging es mir bei den Szenen von der Ankunft an der Kathedrale in Santiago oder auch in Finisterre – Momente des kleinen Glücks und großer Freiheit. Aber natürlich wird auch jeder Pilger an die “Schattenseiten” des Pilgerns anknüpfen können, die sie ebenfalls nicht verschweigt: Das Gehen durch die Matsche an Tagen, an denen es non-stop regnet, Blasen und Hornhaut an den Füßen, Tage an denen die Sonne brennt und die Meseta, die psychisch an den Kräften zehrt.

Wenn ich oben schreibe “Kino-Film über den Jakobsweg”, so trifft dies den Film in seinem Kern, denn im Gegensatz zu vielen anderen Filmen über den Jakobsweg stehen nicht bestimmte Protagonisten mit ihrer Geschichte im Vordergrund oder eine verklärte oder romantisierende Darstellung des Pilgerns, sondern der Jakobsweg an sich. Der Weg wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven gezeigt: Panorama- und Landschaftsbilder, Szenen aus Bodennähe oder von Anhöhen aus, Bilder mit Menschen, Bilder mit Tieren am Wegesrand und Bilder aus Städten. Zu sehen sind wunderschöne Naturaufnahmen von Pflanzen am Weg, die mich als “Heilpflanzen-Tante” natürlich besonders begeistert haben, bei denen sich der Bild-Focus abwechselnd von den Pflanzen im Vordergrund auf den Weg mit oder ohne Pilger im Hintergrund verschiebt.

Schon während des Schauens fragte ich mich, wer wohl Kameramann gewesen sei, dem dieser Wechsel so beeindruckend gelang. Wie sich später herausstellte (ich hatte die Ehre, dass die Filmemacherin im Anschluss an die Vorstellung zu einem Filmgespräch anwesend war) hat Gabi Röhrl den Film komplett alleine gedreht – und auch das Kamera-Equipment noch komplett zusätzlich zum normalen Gepäck getragen (es gabe also keinen extra Kamera-Mann). Im Gespräch sagte sie auch, sie habe kein Drehbuch gehabt. Denn das Drehbuch und die Regie hätte der Jakobsweg geliefert.

Mein persönliches Fazit:
Der Film besticht meiner Meinung nach durch wundervolle Naturbilder, durch emotionale Szenen und authentische Geschichten und Interviews von Wegbegleitern. Das ganze wird begleitet durch eine das ganze unterstreichende, eigens für den Film kreierte Musik.
Dass man wenig vom eigenen “inneren Weg” der Filmerin erfährt oder davon, wie es ihr dort oder anschließend ergangen ist, mag ihrer Intention geschuldet sein – nämlich DEN WEG als Hauptdarsteller zu haben. Ich finde das ist ihr gut gelungen.

So nehme ich für mich die Erinnerung daran mit, dass das gute alte Pilger-Mantra, das mir immer in zähen oder schwierigen Momenten auf dem Camino geholfen hat, mir durchaus auch in schwierigen Phasen im normalen Leben (von denen ich jetzt gerade eine durchlebe) eine Ermutigung sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich Dir: ULTREIYA!

Deine Christina Bolte

 

Link zur Webseite des Filmes:
https://nur-die-fuesse-tun-mir-leid.de/

Der Film

Wenn der Film als DVD erhältlich ist, füge ich den entsprechenden Link hier gerne hinzu.

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